Haikus nach den Aussagen Sri Bhagavans
By admin | August 7th, 2008 | Category: Übungen |“Haikus sind Kurzgedichte, die in 17 Silben ein ganzes Universum enthalten.” - D.T. Suzuki
Das Haiku ist die kürzeste Gedichtform der Weltliteratur und besteht nur aus 17 Silben in drei Zeilen. Die erste Zeile hat 5 Silben, die zweite besteht aus 7 Silben und die dritte Zeile sollte wieder aus 5 Silben gebildet sein. So besagt es jedenfalls die traditionelle Form. Entstanden ist das Haiku Anfang des 13. Jahrhunderts in Japan. In dem Buch ‘ZEN und die Kultur Japans’ schreibt D.T. Suzuki über die Dichtung eines Haiku: “Wie dem Zen ist auch dem Haiku jede Egozentrik wesensfremd. Ein Kunstwerk muss völlig frei von Künstlichkeit, völlig ohne Hintergedanken sein. Zwischen der künstlerischen Inspiration und dem Geist, dem sie zuteil wird, darf nichts Vermittelndes sein. Der Autor muss passives Ausdrucksinstrument dieser Inspiration bleiben. Die Inspiration ist wie Chuang-tzus “Himmelsmusik” (t’ien-lai). Der Künstler muss dieser Himmelsmusik lauschen, nicht der menschlichen…”
Ein Haiku vermag es, viel tiefere Schichten als die des menschlichen Intellekts zu berühren und erstaunliche Einsichten über etwas zu wecken, das nicht etwa unbekannt ist, sondern für kurz oder lang nur Vergessenheit geraten war. R.H. Blyth, der ein vierbändiges Werk zum Thema Haiku schrieb, fasst dies schön zusammen: “Ein Haiku ist Ausdruck einer zeitweiligen Erleuchtung, in der wir Einblick in das Leben der Dinge gewinnen.”
Das wohl bekannteste Haiku wurde von dem japanischen Dichter Matsuo Basho (1644-1694) geschrieben. Hier vorerst in literarischer, daraufhin in kompakter und dann in freier Übersetzung:
Der alte Weiher:
Ein Frosch, der grad hineinspringt –
Des Wassers Platschen…
Alter Teich:
Frosch springt hinein –
Plopp!
Der uralte Weiher:
Der Sprung des Frosches
Vertieft das Schweigen.
Die Haikus im nachfolgenden wurden von Elias Satyananda verfasst, in denen 21 der Kernaussagen von Sri Bhagavan ‘verdichtet’ wurden, die ohne große Umschweife tiefe Einblicke in das Wesen der Dinge vermitteln. Jedes dieser Kurzgedichte vermag es, tiefe Schichten und innere Wahrheiten wachzurufen, und deshalb wird empfohlen, sich in jedes Haiku einzeln zu vertiefen.
Was da ist, ist da. –
Sei dir bewusst und sieh hin,
Was immer es ist.
Deine Gedanken
Sind nicht deine Gedanken:
Von ganzer Menschheit.
Dein Körper ist kein
Persönliches Eigentum:
Er tut, was er will.
Wo ist die Person?
Du bist das Fließen vieler
Persönlichkeiten.
Alles Leben ist
Ein verbundenes Ganzes –
Das Universum.
Alles ist ein Tanz,
Ein Ausdruck großer Freude
Des Lebens am Sein.
Was Liebe ist, kann
Kein Mensch auf der Welt sagen…
Erblüht sie, weißt du.
Erleuchtet die Ganzheit,
Vergeht die Frage nach Sinn –
Freude des Lebens.
Die Mauer zerbricht,
Verstandesgrenzen schwinden –
Strahlende Präsenz.
Bist du erwacht,
Denkst du nicht nach und handelst,
Du handelst einfach.
Sinnlos der Versuch,
Andere zu verstehen…
Erfahre Menschen.
Erwacht die Liebe
Im Herzen, weißt du genau,
Was du zu tun hast.
Es braucht innere
Integrität… Dann wird selbst
Wunderwirken wahr.
Umarme das Leid,
Spring in des Tigers Rachen –
Wandlung in Freude.
Außen bedarf es
Einer Lösung, im Innern
Einer Auflösung.
Löst sich das Ich auf,
Verschwinden alle Grenzen:
Freiheit in Allem.
Herzen erblühen –
Das Königreich des Himmels
Auf einmal so nah.
Einssein im Innern,
Mit der umgebenden Welt
Und schließlich mit Gott.
Der Mensch kann es nicht
Allein schaffen… Es muss ihm
Gegeben werden.
Wahrheit, sofern sie
Nicht deine eigene ist,
Bleibt doch Unwahrheit.
Bewusstsein kann sich
Nur seiner Selbst bewusst sein
Als der andere.