Haikus nach den Aussagen Sri Bhagavans

“Haikus sind Kurzgedichte, die in 17 Silben ein ganzes Universum enthalten.” - D.T. Suzuki

Das Haiku ist die kürzeste Gedichtform der Weltliteratur und besteht nur aus 17 Silben in drei Zeilen. Die erste Zeile hat 5 Silben, die zweite besteht aus 7 Silben und die dritte Zeile sollte wieder aus 5 Silben gebildet sein. So besagt es jedenfalls die traditionelle Form. Entstanden ist das Haiku Anfang des 13. Jahrhunderts in Japan. In dem Buch ‘ZEN und die Kultur Japans’ schreibt D.T. Suzuki über die Dichtung eines Haiku: “Wie dem Zen ist auch dem Haiku jede Egozentrik wesensfremd. Ein Kunstwerk muss völlig frei von Künstlichkeit, völlig ohne Hintergedanken sein. Zwischen der künstlerischen Inspiration und dem Geist, dem sie zuteil wird, darf nichts Vermittelndes sein. Der Autor muss passives Ausdrucksinstrument dieser Inspiration bleiben. Die Inspiration ist wie Chuang-tzus “Himmelsmusik” (t’ien-lai). Der Künstler muss dieser Himmelsmusik lauschen, nicht der menschlichen…”

Ein Haiku vermag es, viel tiefere Schichten als die des menschlichen Intellekts zu berühren und erstaunliche Einsichten über etwas zu wecken, das nicht etwa unbekannt ist, sondern für kurz oder lang nur Vergessenheit geraten war. R.H. Blyth, der ein vierbändiges Werk zum Thema Haiku schrieb, fasst dies schön zusammen: “Ein Haiku ist Ausdruck einer zeitweiligen Erleuchtung, in der wir Einblick in das Leben der Dinge gewinnen.”

Das wohl bekannteste Haiku wurde von dem japanischen Dichter Matsuo Basho (1644-1694) geschrieben. Hier vorerst in literarischer, daraufhin in kompakter und dann in freier Übersetzung:

Der alte Weiher:

Ein Frosch, der grad hineinspringt –

Des Wassers Platschen…

Alter Teich:

Frosch springt hinein –

Plopp!

Der uralte Weiher:

Der Sprung des Frosches

Vertieft das Schweigen.

Die Haikus im nachfolgenden wurden von Elias Satyananda verfasst, in denen 21 der Kern­aussagen von Sri Bhagavan ‘verdichtet’ wurden, die ohne große Umschweife tiefe Einblicke in das Wesen der Dinge vermitteln. Jedes dieser Kurzgedichte vermag es, tiefe Schichten und innere Wahrheiten wachzurufen, und deshalb wird empfohlen, sich in jedes Haiku einzeln zu vertiefen.

Was da ist, ist da. –

Sei dir bewusst und sieh hin,

Was immer es ist.

Deine Gedanken

Sind nicht deine Gedanken:

Von ganzer Menschheit.

Dein Körper ist kein

Persönliches Eigentum:

Er tut, was er will.

Wo ist die Person?

Du bist das Fließen vieler

Persönlichkeiten.

Alles Leben ist

Ein verbundenes Ganzes –

Das Universum.

Alles ist ein Tanz,

Ein Ausdruck großer Freude

Des Lebens am Sein.

Was Liebe ist, kann

Kein Mensch auf der Welt sagen…

Erblüht sie, weißt du.

Erleuchtet die Ganzheit,

Vergeht die Frage nach Sinn –

Freude des Lebens.

Die Mauer zerbricht,

Verstandesgrenzen schwinden –

Strahlende Präsenz.

Bist du erwacht,

Denkst du nicht nach und handelst,

Du handelst einfach.

Sinnlos der Versuch,

Andere zu verstehen…

Erfahre Menschen.

Erwacht die Liebe

Im Herzen, weißt du genau,

Was du zu tun hast.

Es braucht innere

Integrität… Dann wird selbst

Wunderwirken wahr.

Umarme das Leid,

Spring in des Tigers Rachen –

Wandlung in Freude.

Außen bedarf es

Einer Lösung, im Innern

Einer Auflösung.

Löst sich das Ich auf,

Verschwinden alle Grenzen:

Freiheit in Allem.

Herzen erblühen –

Das Königreich des Himmels

Auf einmal so nah.

Einssein im Innern,

Mit der umgebenden Welt

Und schließlich mit Gott.

Der Mensch kann es nicht

Allein schaffen… Es muss ihm

Gegeben werden.

Wahrheit, sofern sie

Nicht deine eigene ist,

Bleibt doch Unwahrheit.

Bewusstsein kann sich

Nur seiner Selbst bewusst sein

Als der andere.

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